8. August 2009
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"Meine Meinung zu..."
Dr. Dietmar Siebholz
Neues von den Edelmetallmärkten – kurz- und langfristige Aspekte, die Sie beachten sollten
Von Dr. Dietmar Siebholz, 8. August 2009
Ich hoffe, Ihnen wird mein Kommentar vom 19.07.2009 mit dem Stichwort „Seismographen einschalten“ noch in Erinnerung sein; wenn nicht, kommt hiermit ein erneuter Aufruf zur Aufmerksamkeit.
Es kommen derzeit zu viele Hinweise aus verschiedenen Quellen, die man ernst nehmen sollte. Diese Kommentare zeigen auf, dass sich viele Menschen, auch solche, die in Verantwortung gegenüber ihren Staaten etc. stehen, Gedanken darüber machen, wie sich die wirtschaftliche und geldpolitische Lage entschärfen lässt.
Halten Sie es bitte nicht für irgendeinen Theaterdonner, wenn die chinesischen Regierungsmitglieder, die chinesischen Notenbankiers und andere Wirtschaftsführer ihren Unmut über den Verfall des Dollars äußern. Sehen Sie nicht nur auf die Lippen (seit der Lüge von Nixon im Watergate-Skandal „read my lips“ ist man da ja vorsichtiger), sondern vor allem auf die Taten: Die Chinesen platzieren ihre Dollarguthaben – wie ich es schon mehrmals geschrieben habe – immer offensichtlicher in Rohstoffen und Firmenbeteiligungen vor allem an Rohstoffunternehmen, finanzieren weltweit Infrastrukturmaßnahmen, wieder mit Bezug auf Rohstoffe oder auf industrielle nutzbare Patente. Wer sollte das nicht besser wissen als ich, dem in den letzten 12 Monaten fünf viel versprechende Aktieninvestitionen (die natürlich alle unter der Finanzkrise gelitten und in einigen Fällen bis zu 75 % ihres Wertes verloren hatten) insoweit verloren gingen, als dass sich die Chinesen mit bis zu 55 % auf billigstem Niveau eingekauft haben und somit ein möglicher Mehrwert nun zugunsten der Chinesen verwässert wurde?- Ich muss mich berichtigen: Nun sind es schon sechs australische Unternehmen, denn bei Kagara Mining hat sich die Provinzbehörde von Guangdong vorgestern über eine Kapitalerhöhung mit 15 % beteiligt. Ja, wir klugen Westeuropäer legen unser Geld lieber in AIG-, Schäffler-, OPEL-, HRE- oder IKB-Subventionen an, während die Herrscher des Entwicklungslandes China sich erdreisten, sich unbedacht weltweit in Rohstoff-Engagements zu stürzen. Wollen wir wetten, wer dieses Spiel gewinnen wird? Man sollte wirklich anfangen, Mandarin sprechen zu lernen…
Nun – nachdem sich einige Länder gegen diese Ausverkaufstendenz zu sträuben versuchen - wird der chinesische Premier deutlicher und artikuliert diese Politik als staatstragend. Mit dem fein eingestellten Seismographen hätten wir alle diese Tendenz viel früher zu unserem Vorteil als Aktienanleger nutzen können.
Nachdem die bösen Spekulanten (der Herr Geithner traut sich aber was, denn seine wirklichen Brötchengeber von der Wallstreet-Gang sind ja die größten Spekulanten, die ja sogar über schnellste Computer-Programme verfügen, die die Märkte bewegen und manipulieren können – so zumindest sagt der New Yorker Staatsanwalt im Falle des Programm-Diebstahls bei Goldman Sachs -) die Energiemärkte manipuliert haben sollen, strebt man jetzt eine Limitierung der Kontraktmengen pro Institut und Person in den Energiemärkten an. Dass die genannten Wallstreet-Institutionen diese Limitierung durch eine Menge von Untergesellschaften umgehen können, daran denkt niemand. Da z.B. in Australien beim Erreichen bestimmter Beteiligungshöhen die Namen von Ross und Reiter genannt werden müssen, konnte ich bei vielen der dortigen Aktiengesellschaften sehen, auf wie viele Gesellschaften sich die Aktien verteilen, die letztendlich auf eine Adresse zurückzuführen sind. In einem konkreten Falle waren dies 76 Gesellschaften.
Richtig gefährlich wird es für die Short-Spezialisten um die Wallstreet-Ikonen bei Gold und Silber aber erst, wenn diese Regeln auch auf diese Metalle erstreckt werden; bleiben Sie also dran und beobachten diesen Entscheidungsprozess. Ich glaube zwar nicht, dass einer der Beamten sich erlauben wird, diese Ertragsquelle für die staatstragenden Gesellschaften wie Goldman Sachs oder J.P. Morgan & Co. zum Versiegen zu bringen, aber die Entwicklung ist eine permanente Beobachtung wert.
Die CoT-Daten für Gold und Silber bestätigen dies nicht. Was sind CoT-Daten? Die wöchentlichen Veröffentlichung der COMEX bezüglich der offenen Short- und Long-Positionen insbesondere der sogenannten Commercials, unter den man die großen Spieler – die Investment-Banken sublimiert. Wie man bereits bei dem Ausstieg der AIG aus dem Silbermarkt vor Jahren feststellen konnte, mussten deren Short-Positionen von anderen Teilnehmern der Commercial-Seite übernommen werden; so kam es nie zu einem wesentlichen Abbau der extrem großen Short-Positionen. Beobachten Sie diese Daten regelmäßig und sorgfältig. Denn wenn es zu einer Änderung der Spielregeln – und diesmal zu Lasten der großen Spieler kommen sollte – dann kündigt sich dies durch einen (heimlichen) Abbau der Shortpositionen an.
Inzwischen haben die Notenbanken ihre Abstimmung zu Goldverkäufen für die nächsten 5 Jahre prolongiert; unter Einbeziehung der gewünschten IWF-Verkäufe von ca. 400 Tonnen Gold können nunmehr bis 2014 jährlich 400 Tonnen Gold an die Märkte kommen. Diese Quote ist nur eine obere Deckelung, in den vergangenen zwei Jahren wurde nicht einmal diese bisher vereinbarte Quote erfüllt, sehr zum Ärger von China, die sicherlich gern mehr Gold aufgenommen hätten.
In der Zwischenzeit gibt es einige Hinweise (Thema: „Seismograph“), dass der Edelmetallhandel eingeschränkt werden soll. Hierzu zählen so unverständliche Veröffentlichungen wie z.B. die über die Möglichkeit, über den Erwerb von österreichischen Silbermünzen mit geringem Nominalwert heimliche Kapitaltransaktionen legitim abzuwickeln: Ein Blick in die deutschen Vorschriften hätte den Verfassern des Artikels klar machen müssen, dass dies so wie beschrieben nicht gehen kann. Aber: Der Artikel hat sicherlich Emotionen bei den Lesern hervorgerufen. Edelmetallanleger sollten sich ja fast wie Kinderschänder fühlen. War dies beabsichtigt? Früher war die Verunglimpfung der Edelmetallanleger, die sich ja die Freiheit verschaffen, über ihr Metall ohne Staatskontrolle zu verfügen, einfacher. Wer dem Aufruf Wilhelms des Zweiten: „Gold gebe ich für Eisen“ oder Adolf des Schrecklichen „wer dem Volke Gold vorenthält, ist ein Volksschädling“ nicht folgte, war dem Dolchstoß-Potential oder ab 1939 der Gruppe der Volksverräter zuzuordnen. Heute wird dies anders vorbereitet. Wenn die Nachricht, die mich vorgestern erreichte, dass die Grünen-Fraktion von den Reichen eine Ausgleichsabgebe zur Sanierung der Staatsbilanzen nach dem Muster des Lastenausgleichs in den Jahren 1948/1949 überlegt, so stimmen sollte, sind tatsächlich die Edelmetallsparer und –Anleger die Glücklichen: Alle anderen Anlage-Assets sind schon bei den Behörden erfasst, seien es Immobilien (Grundbücher), Lebensversicherungen (Meldepflicht), Anleihen (Depoterfassung bei den Banken, keine Emission von ‚Rentenwerten mit lieferbaren Stücken) und Sparguthaben sowie Festgelder (vollständige Meldepflicht der Banken für Konten und Neueröffnungen).
Dass auch bei den Edelmetallen die bisherige Grenze für den nachweislosen Erwerb von € 15.000 fallen soll, ist ein offenes Geheimnis; nur setzen noch nicht alle Banken und Edelmetallhändler diese neue Direktive, die aus Brüssel kommen soll, derzeit vollständig um. Na, bewegt sich Ihr Seismograph schon mehr?
Um aus den „schwarzen“ Liste der OECD herauszukommen, so hörte ich, haben einige Staaten schon angefangen, im (der USA geschuldeten) vorauseilenden Gehorsam die Kontoeröffnung für US-Bürger entweder erheblich zu erschweren (das erinnert ich an einen Berliner Kneipenspruch „Kredit bekommt hier nur derjenige, der sich in Gegenwart seiner vier Urgroßeltern einfindet...“) oder gar zu verweigern. Man hat in einigen Ländern sogar begonnen, die US-Bürger aufzufordern, bis zum 31.12.2009 ihre Schließfächer aufzuheben. Sagt Ihr Seismograph etwas zu diesen Tendenzen? Meiner schlägt heftig aus.
Unter diesen Vorzeichen stellt sich immer wieder die Frage: Gold oder Silber? Ich meine: Silber ist das bessere Gold. Es ist wesentlich billiger als Gold, obwohl die Anteile der beiden Edelmetalle in der Erdrinde so im Verhältnis zwischen 1 (Gold) zu 17 bis 18 (Silber) liegt, ist Gold ca. 65 mal so teuer wie Gold. Dazu gilt: Die Staaten und die Notenbanken halten nur geringe Mengen an Silber, aber vergleichsweise riesige Mengen an Gold, dass sie auch zur Preisdrückung einsetzen werden und wollen.
Ferner sind die Silber-Short-Kontrakte nicht für alle Ewigkeit zu halten: Irgendwann einmal schlägt der Markt und die Nachfrage durch und dann müssen die Papier-Short-Verkäufe gedeckt werden. Vor Jahren habe ich einmal in Horb (im Schwäbischen) mit einem Freund eine Woche auf einem Gutshof verbracht; im riesigen Hühnerstall – ich schätze, der hatte so an die 200 qm Grundfläche – kamen nachts, wenn die Hühner auf ihren Stangen saßen, die Ratten und fraßen, was auf dem Boden an Futter übrig geblieben war. Die Ratten bedeckten fast den ganzen Boden. Der Gutshof-Knecht machte sich ein Spaß daraus, mit einem Schrotgewehr auf den Boden zu schießen. Das Bild, wie sich diese Hunderte vielleicht sogar Tausende von Ratten danach bemühten, durch ein großes Loch an der Rückwand aus dem Stall zu kommen, werde ich mein Leben nicht vergessen. Vielleicht erlebe ich das gleiche Gefühl auch noch einmal bei der Deckungsaktion der Silber-Shorts…
Warum Silber? Ich meine, das „Gold des kleinen Mannes“ hat sich vom Währungs-, Schmuck- und Kunstmetall zu einem Industriemetall entwickelt. Ein Besitzverbot würde hier kaum greifen, denn die Industrie würde darauf bestehen, regelmäßig versorgt zu sein. Und in der Krise wird keiner fragen, ob es sich um industrielle Lagerhaltung oder eine Dis-Investition handelt, wenn er nur das rare Metall erhalten könnte.
Und vergessen Sie nicht: Jeden Monat werden mehrere Patente angemeldet, bei denen Silber als Metall gefragt ist. Und beachten Sie, dass ein großes neues Verbrauchspotential für Silber dadurch entstanden ist, dass die EU Blei in Lötzinn verboten hat (das bestand bisher aus Blei und Zinn) und sich die USA und Japan (und damit auch China) den EU-Vorgaben anschließen wollen und werden. Blei wird hier durch Silber ersetzt. Jährlich werden mehr als 30.000 Tonnen weltweit für Lötprozesse eingesetzt, und Silber wird davon den wenn auch kleineren Anteil von Blei ersetzen.
Sie wissen, dass ich mit eigenen technischen Entwicklungen in meiner Firma ECO-ENERGY ENGINES KG versucht habe, alternative Energieerzeugungssysteme durchzusetzen; die Technologie ist faszinierend, aber – da ich über keine adäquaten und leistungsstarken Speichermodule verfügt habe – konnte ich die Technologie nicht am Markt umsetzen. Daher halte ich für die wichtigste Technologie-Entwicklung der Zukunft die der neuen Batterie–, Akkumulatoren- und Kondensatoren-Technologien. Und da tut sich derzeit Vieles.: Lithium-Ion-Batterien für die maroden Autohersteller, aber auch bei der Akkumulatoren-Entwicklungen gibt es Neues: Eine US-Forschungsgesellschaft, die sich derzeit zu einem Produzenten wandelt, hat eine Silber-Zink-Batterie vorgestellt und vorher erfolgreich getestet, die gegenüber der aktuell erfolgreichsten Batterie (Lithium-Ion-Batterie) eine Speicherdichte (das ist die wesentliche Leistungskomponente bei Batterien) um 40 % übersteigt. 40 % stellen Quantensprünge in der Batterietechnik dar. Wenn sich die Neuentwicklung durchsetzen sollte, dann werden der Batterie- und der Akku-Markt revolutioniert. Dann kann bald das Bild mit den Silber-Short-Ratten (siehe oben) Wahrheit werden. Beobachten Sie diese Technologieentwicklungen, sie beeinflussen den Silbermarkt langfristig und nachhaltig. Und wenn Sie schon dabei sind, auch Ihre Technologiekenntnisse zu vertiefen, dann achten Sie auch auf den heimlichen Fortschritt bei der RFID-Technik. Auch hier ist ein neuer Silberverbraucher auf den Markt getreten. Sie brauchen vielleicht einen langen Atem, aber den werden Sie auch brauchen, wenn Sie Ihr Geld in „sichere“ Staatsanleihen investieren. Sicher ist da nur eines: Sie werden Ihre Geld wieder zurückerhalten, das dann aus neuen Schuldenaufnahmen stammen wird und Ihnen wesentlich weniger Kaufkraft zurückbringt als die, auf die Sie heute verzichten.
Schützen Sie sich und denken Sie möglichst unbeeinflusst von der Main-Stream-Presse nach. Denken Sie an die Lemminge und ihr Schicksal – und: Schalten Sie weiterhin Ihren Seismographen ein. Nach unserer Bundestagswahl wird Vieles anders, und wenn nicht, wird sich an unserem belämmerten Zustand nichts zum Positiven ändern, vielleicht auch nur in den staatlichen Statistiken, aber was Sie von den halten sollen, werden Sie sicher schon selbst wissen.
Ein Nachwort noch zu den ETF’s: Sie haben sicherlich schon einmal häufiger kritische Anmerkungen gelesen, ob alle ETF’s wirklich auch nur in physischen Metallen investieren. Die Zweifel sind nicht ausgeräumt. Stellen Sie sich doch nur einmal vor, dass die ETF’s nicht nur physisches Material erwerben, denn die Treuhänder sind ja wohl die großen Teilnehmer auf der Commercial-Seite und meist Short in Gold und Silber. Gilt auch hier wieder das Caveat: Warum soll ich den Fuchs als Wärter meines Hühnerhauses bestellen? Genau darin werden meine Ängste jetzt durch einen US-GATA-Kollegen bestätigt, der in den Ausführungsbestimmungen der COMEX und deren Überwachungsbehörde CFTC eine im Mai 2005 neu hinzugekommene Klausel bezüglich der Deckung/Lieferung für Leerverkäufe gefunden hat. Dort steht, genau 5 Wochen nach der Gründung des ersten Silber-ETF durch die Barclays-Bank, dass „neben der physischen Lieferung aus den Lagern der COMEX und anderer Institutionen auch der Eigentumsnachweis von ETF’s als Erfüllung von Lieferverbindlichkeiten angerechnet werden kann“. Denken Sie einmal nach, was das bedeuten könnte: Die großen Akteure im ETF-Spiel sind eventuell nicht nur Leerverkäufer, sondern auch gleichzeitig Treuhänder der ETF’s die angeblich physische Ware halten; können jedoch anstatt physischer Lieferung auch den Besitz von ETF’s mit angeblicher physischer Hinterlegung anrechnen lassen. Wenn nun die ETF’s selbst nicht oder nicht vollständig physisches Material vorhalten (ihre Satzungen sind da relativ flexibel), ihre Aktien aber quasi als physisches Material für die Erfüllung von Leerverkaufsverpflichtungen angesehen werden kann, dann haben die Großen doch wieder einmal ein Vehikel entwickelt, dass gleiche Qualitäten (nämlich Gewinne für die Großen – Schäden für alle anderen) wie die CDO´s, die ABS´s und die CDS´s ausweist. Daher gilt für mich: Wenn ETF’s, dann nur die der Schweizer Banken, denn die müssen das Material physisch vorhalten und nachweisen. Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser.
Es steht aber deutlich in den Statuten der COMEX, dass der ETF.-Besitz erfüllungshalber angesehen werden kann. Der Boden in meinem Büro fängt an zu vibrieren, ein Zeichen dafür, dass mein Seismograph funktioniert.
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© Dr. Dietmar Siebholz