15. Juli 2007
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"Meine Meinung zu..."
Dr. Dietmar Siebholz
Dollarschwäche
Von Dr. Dietmar Siebholz
Nach meiner Rückkehr aus Mittelamerika – dort habe ich mir die Fortschritte bei Minengesellschaften angesehen, die ich für aussichtsreich halte, also TaraGold (TRGD ist trotz ihres Firmennamens mit einem für meine Ansichten interessanten Modell der Unterbeteiligungen erfolgreich bei der Wiederaufnahme alter Silberminen im Silbergürtel von Mexiko), Genco (GCC verstärkt seine Silberproduktion in Mexiko) und last but not least Petaquilla (PTQ erschließt derzeit in Panama eines des größten Kupfervorkommen in guter Infrastruktur und wird wohl etwas verzögert im zweiten Halbjahr den Goldabbau beginnen; darüber werde ich in einer künftigen Kolumne berichten – habe ich das Wochenende genutzt, um die während meiner Abwesenheit angehäuften Nachrichten und Informationen auszuwerten.
Noch einmal zurück zu meiner Historie: Ich habe Mitte des 60-er Jahre zusammen mit einem Freund ein Buch über Charttechnik geschrieben, das – weil Charttechnik damals noch ein unbekanntes Kapitel war – ziemlich unbeachtet blieb. Was mir daraus blieb, ist, dass ich in bestimmten Situationen und nicht für den täglichen Bedarf auf meine Kenntnisse und Überzeugungen zurückgreife, um mir die Risiken und die Chancen bestimmter Gefahrenpotentiale an so genannten Entscheidungspunkten deutlicher zu machen.
Ich meine, wir befinden uns an einem solchen Punkt bezüglich des US-Dollars. Hier sind meine Gründe.
1. Charttechnisch nähert sicher der US-Dollar-Indexwert seinem Tiefstpunkt (ca. 79,80), von dem alle Welt erwartet, dass er gehalten wird, um die Finanz- und Wirtschaftspolitik der USA als „stark“ zumindest aber als „stabil“ zu bestätigen. Der $-Index steht bei derzeit 80,40. Ein Durchbruch unter 79,00 wäre ein solches Gefahrensignal.
2. Nur der aufmerksame Beobachter (und dazu zählt die GATA, der ich seit Jahren zuzurechnen und auf deren Informationsnetzwerk ich sehr stolz bin) vermerkt seit etwa einem Jahr, dass sich Notenbank um Notenbank heimlich und ohne große Außeninformation darum bemüht, ihre Dollarengagements zu reduzieren. Ich erinnere mich insbesondere an kleine Informationen über die Swaps von Italien, Singapur, Schweden, Qatar, Dubai, Kuweit und andere. Von größerer Bedeutung sind die aus iranischer Sicht verständlichen Entscheidungen der dortigen Notenbank, Öl nicht mehr gegen US-$ zu liefern, sondern nur noch gegen (sie sagen es überdeutlich) „harte“ Währungen wie Yen, Yüan und Euro. Japan muss ab sofort in Yen seine Ökleinkäufe im Iran bezahlen und die sind nicht gering.Von der Bundesbank lese ich hier nichts. Sind wir wieder einmal „nibelungentreu“ wie nach dem Mord in Sarajewo etc.?
3. Lesen Sie detailliert die Handelsbilanzzahlen der USA; die angestrengten Versuche, das Defizit zu reduzieren – immerhin belastet das immens große Defizit den US-Dollar bis fast zur Unerträglichkeit. Die letzten Werte waren trotz aller Versuche, es zu reduzieren, vernichtend, weil – so sagt man – der Ölpreisanstieg „dazwischen kam“. Ich halte da für ein munteres Pfeifen im dunklen Walde, denn man soll mir einmal erklären, was die USA außer Flugzeugen und Waffen noch so exportieren können, dass sie ihre Handelsbilanz-Zahlen verbessern können. Die USA importieren doch fast schon alles, was sie täglich brauchen (natürlich außer den subventionierten Agrarprodukten). Wo kommen die Jeans her? Nicht aus den USA, dort wird keine einzige mehr hergestellt, nein, sie kommen aus der Türkei, aus China und aus den anderen ostasiatische Staaten und Indien. Wo kommen die elektronischen Geräte her? Aus den gleichen Ländern (natürlich ohne die Türkei).
Und das ist das Schlimmste aus meiner Sicht: Selbst, wenn sie versuchen wollten, ihren lächerlichen Anteil der Industrieproduktion von derzeit weit unter 10 % am Bruttosozialprodukt wesentlich zu erhöhen, wo käme dann das dafür notwendige Kapital her? Nicht aus ihrem eigenen Kapitalmarkt, in dem festzustellen ist, dass seit Jahren die immer mehr verfallende Mittelklasse sich entspart, nein sich entsparen muss, um überleben zu können. Die USA brauchen täglich (und das ohne ihre Kriege bereits ordnungsgemäß budgetiert zu haben) so zwischen 3,0 und 3,5 Milliarden US-Dollar an Kapitalzufluss aus dem Ausland, um ihre Liquidität aufrechterhalten zu können.
Da kommt mir gerade die mir von GATA übermittelte Nachricht recht, in der berichtet wird, dass Vertreter der US-Finanzindustrie und der Bush-Administration sich bemühen, China von der Anlage in government- backed mortgage bonds“ zu überzeugen. Sie wissen, dass die drei USHypotheken-Agenturen (diese werden nach ihren Börsenkürzeln in der Börsenumgangssprache „Fannie Mae“, „Freddie Mac“ und Ginnie Mae“ genannt) von diversen Instituten die Hypotheken bündeln und diese dann in Bonds umgewandelt, am Kapitalmarkt verkaufen. Sie wissen aber sicherlich auch, dass die beiden erstgenannten Institute keine Staatsgarantien haben, sondern nur staatliche Agenturen sind (ohne jegliche Garantien) und dass wichtige US-Finanzpolitiker immer wieder auf diese Nicht-Garantien hingewiesen haben; die EZB hat zum Beispiel so wie andere Notenbanken nach den ersten Bilanzskandalen der beiden erstgenannten Instituten den Mut gehabt, diese Titel aus dem Depot zu verkaufen.
Nun wird China auf die Anlage in Bonds des dritten Instituts aufmerksam gemacht und dies mit großen Aufwand. Ja, China hält so an die 1,3 Billionen US-Dollars und ist so ein wichtigen potentieller Anleger. Man bestätigt sogar, dass Ginnie Mae Staatsgarantien in Anspruch nehmen kann. Man ist in den USA also bereit, das Hilfsmittel der Staatsgarantie einzusetzen, um die gefährliche Liquiditätsenge zu überbrücken und sich bei seinen Handelspartnern, wenn sie ihre Währungen nicht aufwerten (warum sollten sie, die Schwäche des Dollars kommt ja nicht aus ihrem eigenen Verschulden?) um Anlagen bemühen. Diese teils hektischen Aktivitäten (Versuch, China zur Aufwertung des Yüan zu veranlassen, manche sagen: Zwingen), die Auflage, Öl nur noch gegen alternative Währungen zu liefern, als „Kriegsgrund“ siehe Irak oder Iran zu sehen und die Platzierungsverhandlungen mit den reichen Exportstaaten zeigen mir, dass die Luft auf dem Defizitgipfel auch für die mächtige USA langsam dünner wird.
Wie kann ein vorsichtiger Investor nun feststellen, in welchem Grade der Gefährdung sich der Dollar befindet? Dazu zähle ich drei wichtige Indizien.
a) Der US-$-Chart – wenn sich der gewogene Dollarkurs unter die Marke von 79,00 begibt, werden die Diskussionen aufflammen, werden Hedgefonds diesen Durchbruch zum vermeintlich schnellen Gewinn nutzen. Da wird aus technischer Sicht der Dollar kaum noch zu halten sein. Ich sehe täglich unter www.kitco.com (rechts unten) den Dollar-Index gegenüber den sechs wichtigste Währung an und starre auf die 80-er Marke. Wichtiger ist aber ….
b) die Monatsstatistik der US-Regierung über den Zufluß (bzw. Abfluß) von Kapital über Treasury-Bonds und andere Staatsanleihen. Diese kommt (wie ich in einem früheren MM berichtet habe) Mitte jedes Monats für den vorletzten Monat heraus und bestätigt die Nöte der USA hinsichtlich deren Liquiditätsversorgung. Bei einem kumulierten Jahresdefizit von ca. 900 Mrd. $ (davon ca. 600 – 700 Mrd aus dem Handelsbilanz- und 200 – 300 Mrd aus dem Haushaltsdefizit) müssen ja monatlich durchschnittlich 75 Mrd $ ins Land fliessen, um nicht zu kollabieren. Seit einigen Monaten ist dieses labile Gleichgewicht, das etwa fünf Jahre funktionierte, äußerst volatil. Kein Wunder, wenn einige Notenbanken nicht mehr als Dollarkäufer auftreten! Übrigens: Die nächste Veröffentlichung der US-Daten für den Kapitalzufluss (aber auch: Abfluss) auf www.treas.gov/tic/ - dann unter Press Releases den letzten Monat anfordern. Die nächste Veröffentlichung für Mai 2007 erfolgt am 17.07.2007. Ich bin schon ganz gespannt auf die neuen Zahlen.
c) Nachdem die US-Regierung im Frühjahr 2006 die Veröffentlichung der M-3-Werte mit dem fadenscheinigen Argument einstellte, die Kosten dieser Statistik mit etwa 750.000 $ pro Jahr sei ökonomisch nicht mehr zu vertreten (wenn es den Amis ums Sparen ginge, könnte ich ihnen so an die 250 Positionen nennen, bei denen Sie Millionen pro Vorgang einsparen könnten!) – also die Welt nicht mehr erfahren sollte, wie die FED über REPO-Geschäfte und den Ankauf von nicht öffentlichen Anleihen der US-Regierung Geld („out of thin air“- also aus dem Luftleeren) produziert; warte ich noch auf die Einstellung dieser Statistik, die ja – falls das Ergebnis, wie von mir erwartet, eintrifft – dann den Liquiditätszusammenbruch der USA durch Austrocknen der Rückflüsse aus den Exportländern bestätigt. Dann kommt die hohe Zeit der FED, die alles ankaufen und zu Geld machen wird, um die USA zu retten.
Achten Sie auf diese Fakten und Statistiken, solange diese noch veröffentlicht werden. Und: Lesen Sie das Buch „Die Kreatur von Jeckyll Island“ des US-Autors Griffin, der die Entwicklung des Geldes in den USA, die Vorgänge bei der Gründung der FED und deren Geschäftspolitik im ersten Weltkrieg, in der Weimar-Periode, zur Hitler-Zeit, während des zweiten Weltkriegs und danach beschreibt und mit Fakten und Urkunden bestätigt.
Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen; ich musste es hintereinander lesen, so aufregend war es. Für mich sind die dort ausgewiesenen Informationen ein Muss für jeden verantwortlichen und selbständig Denkenden.
Nochmals: Achten Sie auf die von mir oben dargelegten Fakten und denken Sie über die Folgen eines Liquiditätsengpasses in den USA nach. Natürlich wird es letztendlich nicht zu einem Liquiditätszusammenbruch kommen, aber die FED wird dann ihre letzten Maßnahmen ergreifen müssen und das erinnert mich an die sozialistische/kommunistische Internationale „Völker, hört die Signale, auf zum letzten Gefecht..“ Und wenn das eintreffen sollte, dann werden wir für jeden Senior dankbar sein, der uns seine Erfahrungen aus den zwanziger Jahren noch mitteilen kann…
„Völker, hört die Signale…“, aber anders als sich dies die Sozis/Kommis vorgestellt haben.
Bleiben Sie wachsam!
Nachsatz: Noch ein ganz anderes Signal gab die US-Regierung. In den USA wurde ein neues Münzgesetz erlassen; nach diesem Gesetz ist es künftig verboten, Umgangsmünzen einzuschmelzen, ja sogar in großem Masse zu sammeln. Das wird zwar der Sitte, Pfennige, also Cents für die Brautschuhe zu sammeln, nicht unterbrechen, aber es zeitigt ein weiteres Signal zum Nachdenken. Wenn der Kupfer-Cent und der Nickel-Dime bzw. der Nickel-Quarter bis zu 40 % mehr inneren Wert haben, als dies als Nominalwert draufsteht, dann ist eines nicht in Ordnung, entweder ist der Kupferpreis zu hoch oder der Nominalwert der Münzen zu niedrig. Ich bin sicher, dass der hohle Wert der Papierwährungen der wahre Grund für diese Anomalie ist: Das Papiergeld wird in Unmassen produziert, um die Soziallasten der Industriestaaten oder Kriege (wie in Afghanistan und im Iran) zu finanzieren, es verliert an inneren Wert vor allem gegenüber Werthaltigem wie Metalle, Nahrungsmittel und Edelmetalle und vielleicht sogar gegenüber Kauri-Muscheln (einem Tauschmittel im Südseeraum)...
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© Dr. Dietmar Siebholz